Seit 2022 gibt es die komplexe PTBS als eigene Diagnose in der ICD-11, dem Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation. Sie beschreibt, was viele Menschen schon lange in sich gespürt haben: Wer über Jahre in Unsicherheit gelebt hat, trägt mehr als einzelne Erinnerungen mit sich. Der ganze Körper hat gelernt, wachsam zu bleiben.

Die Kernsymptome der PTBS
- Wiedererleben im Hier und Jetzt: Bilder, Gerüche oder Körperempfindungen von damals tauchen so auf, als geschähe es gerade jetzt. Im Körper zeigt sich das als plötzliches Herzrasen, ein Engegefühl in der Brust oder ein Zusammenzucken bei einem Geräusch.
- Vermeiden: Orte, Gespräche oder Gefühle, die an das Erlebte erinnern, werden umgangen. Oft spüren Betroffene nur eine diffuse Unruhe und ziehen sich zurück, ohne zu wissen, warum.
- Ständiges Bedrohungsgefühl: Das Nervensystem bleibt in Alarmbereitschaft. Die Schultern sind hochgezogen, der Schlaf ist leicht, die Schreckhaftigkeit groß. Diese Wachsamkeit nennt man Hypervigilanz.
Die drei zusätzlichen Bereiche der komplexen PTBS
Die ICD-11 fasst sie als „Störungen der Selbstorganisation“ zusammen. Gemeint ist, dass die Erfahrungen bis in das Gefühlsleben, das Bild von sich selbst und die Beziehungen hineinwirken.
- Gefühle regulieren: Gefühle kommen wie Wellen, die zu hoch werden, oder sie verschwinden hinter einer grauen Taubheit. Im Körper wechseln sich innere Hitze und Unruhe mit Leere, kalten Händen und dem Gefühl, neben sich zu stehen, ab.
- Selbstbild: Ein tiefes Gefühl, wertlos, schuldig oder gescheitert zu sein, begleitet viele Betroffene wie ein leiser Schatten. Scham zeigt sich körperlich als Zusammensinken, Hitze im Gesicht und der Impuls, den Blick abzuwenden.
- Beziehungen: Nähe wünscht sich der Mensch von Herzen, und zugleich fühlt sie sich unsicher an. Der Kiefer spannt sich an, der Oberkörper neigt sich nach vorn, und manchmal lächelt man, obwohl es innen ganz anders aussieht.
Wenn man das einmal versteht, erkennt man, wie klug diese Reaktionen einmal waren. Ein Kind, das in Unsicherheit aufwächst, schützt sich mit genau diesen Strategien.
Erkennen Sie sich darin wieder? Der kPTBS-Test hilft beim Einordnen.
Zum kPTBS-TestKostenlos · 12 Fragen · etwa 3 Minuten · Ersteinschätzung nach ICD-11
Tiefer gehen: der Selbsttest zu Trauma und Nervensystem aus meinem Buch »Neubeginn jetzt«

