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Psychische Dekompensation und Shutdown bei Trauma. Was weiß die Psychologie?

  • 25. Jan. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Warum der Körper abschaltet, wenn die Last zu groß wird: Dekompensation, Shutdown und Dissoziation bei Komplextrauma – und was dann wirklich trägt



Dissoziation ist NICHT der Schutz vor uns selbst!

Psychische Dekompensation ist bis heute ein Tabuthema. Viele Menschen, die mit Trauma konfrontiert sind, erleben eine psychische Dekompensation.

Eine psychische Dekompensation ist eine akute Überforderung der seelischen Widerstandskraft, indem die einzelnen Elemente des Erlebens auseinanderfallen und die Psyche „entgleist“.

Dissoziation wird in solchen Situationen oft als Schutz eingesetzt. Menschen mit frühkindlichen Belastungen sind besonders anfällig für Dissoziation.

Hierbei herrscht nicht selten ein Missverständnis.


Dissoziation ist NICHT der Schutz vor uns selbst … sondern der Schutz unseres Selbst vor der Umwelt.

Dissoziation ist ein psychologischer Zustand, der durch eine Trennung der normalerweise verbundenen Elemente des Erlebens und Bewusstseins gekennzeichnet ist.


Um den Überlebensstress zu überwinden, haben Menschen mit Komplextraumata – ich auch, und viele unter Ihnen und Euch – ihre Erinnerungen, Gefühle, Erlebnisse und Identitäten so schützend dissoziiert und erlebten in ihrem Leben eine solche Dauerbelastung.

Das ist etwas ganz anderes, vor allem, weil es gänzlich autonom abläuft!


Dissoziation ist der Schutz unseres Selbst

Damit unser Innerstes geschützt und bewahrt werden kann, dissoziieren wir. Damit unser Innerstes geschützt und bewahrt werden kann, dissoziieren wir.

Um sicherzustellen, dass es funktioniert, entwickelten wir – oft noch unbewusst – unterschiedliche Strategien.


Dissoziation kann in vielen verschiedenen Formen auftreten, einschließlich

  • des Verlustes des Gedächtnisses,

  • der Aufteilung der Persönlichkeit auf mehrere Subpersonen (eigene Seiten von uns),

  • die Unfähigkeit, sich an bestimmte Dinge zu erinnern oder

  • sich starken Gefühlen auszusetzen.


In einem schweren Fall von Komplextrauma kann das Dissoziationsspektrum einzelne Aspekte des Verhaltens, des Denkens und des Erlebens betreffen, darunter auch das sexuelle Verhalten. In schweren Fällen können diese dissoziativen Phänomene

  • die Funktionen des Alltags stören und

  • zu einer Verringerung der psychischen Stabilität,

  • einer Verminderung der Handlungsfähigkeit und

  • einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Aus diesem Grund ist es von großer Bedeutung, dass Personen, die von solchen Traumata betroffen sind, professionelle Hilfe sowie ein freundliches und liebevolles Umfeld bekommen, in dem sie ihre Erfahrungen, Gefühle und Gedanken auch in einem geschützten Umfeld äußern können.


Warum sind Dissoziation und psychische Dekompensation Tabu?


Es bleibt ein Tabuthema.

Das Problem ist nicht nur, dass unsere Umgebung psychische Dekompensation oft nicht versteht, sondern auch, dass sie bei der Behandlung oder Prävention oft als „ungenügend“ berücksichtigt wird.


Psychische Dekompensation und Schut Down
Komplextrauma und Dissoziation bekommen immer noch wenig Beachtung.

Viele Psychologen und Psychiater glauben, dass psychische Dekompensation nach langjähriger Behandlung bislang nicht die gleiche professionelle Aufmerksamkeit erhält wie andere psychische Probleme.


Wenn das Vertrauen fehlt

Trotz mehr als 30 Jahren Behandlung für Entwicklungstrauma (kPTBS) haben viele Menschen immer noch Schwierigkeiten, sich anderen zu öffnen und ihr psychisches Trauma zu teilen.

Psychische Dekompensation ist ein sehr unangenehmes Thema. Viele Menschen, die mit Trauma konfrontiert sind, sehen es als Schande an, sich ohne Selbstkontrolle und machtlos zu befinden. In vielen Fällen können wir nicht mit unseren psychischen Konflikten in uns umgehen und leiden unter Angstzuständen, Depressionen oder Zwängen.

Oft behindern uns diese Symptome und wir zögern, mit unseren Ärzten oder Therapeuten über unsere Erfahrungen zu sprechen oder Informationen weiterzugeben.


Scham und Selbst-Entwertung

Diese Ängste machen es für Traumabetroffene schwer, mit Dissoziation umzugehen, und sie sind oft gezwungen, sich irgendwie selbst zu helfen, anstatt professionelle Unterstützung zu suchen.

Denn wir kennen nur Eines: wenn wir nicht funktionieren, sind wir schlecht, böse und unfähig. Folglich schämen wir uns oder fühlen uns schrecklich.

Nur wenn wir uns angenommen und umsorgt fühlen, können wir herausfinden, wie wir uns selbst regulieren können. Dann funktioniert die Co-Regulation. Vorher nicht.

Dann schaffen wir es auch unserem Leben eine neue Richtung zu geben, und die schmerzhaftesten Erfahrungen in ihrer Vergangenheit schließlich hinter sich zu lassen.



Folgen: Hochfunktional Jahrzehnte lang bis zum Shut Down

Es kann lange dauern, den inneren Drang zu verspüren, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen.


Komplextrauma und Hoch Funktionalität im Beruf und Leben
Hochfunktional im Leben und Beruf geht meist mit Scham und Erschöpfung einher

Was uns „jagt“, ist immer noch die unbewusste Angst, erneut bestraft zu werden

und keine Zuwendung und Geborgenheit zu erhalten.

Auch ich habe es geschafft. Bis zu dem Punkt, an dem die kleinen „Dekompensationen“ und „Erschöpfungsdepressionen“ zu einem Shut Down führen und das System NEIN sagt.


Menschen mit Entwicklungstrauma und Komplextrauma haben ein Nervensystem, das teilweise irreparable Schäden aufweist und nicht mehr repariert werden kann.

Ebenso kann unser Nervensystem auf unerwartete Ereignisse „plötzlich“ reagieren und in der Gegenwart zu einem „Shut Down“ führen.

Unser inneres Kartenhaus bricht zusammen, wenn das Funktionieren nicht mehr möglich ist, meist durch ein erneutes Trauma. Hier beginnt die Heilung.



Dissoziation Spektrum


Die dissoziative Bewältigung von Trauma tritt häufig auf, besonders bei Personen, die frühzeitig schweres Trauma erlebt haben.

Dissoziation kann sich in verschiedenen Formen manifestieren, von denen jede ihren eigenen Grad der Bewusstseinstrennung hat.


Dissoziation und Shut Down bei Komplextrauma
Shut down bei Komplextrauma – nix mehr funktioniert

Die dissoziative Amnesie, ein Zustand mit Gedächtnislücken, in denen Erinnerungen an traumatische Erlebnisse fehlen, tritt am häufigsten auf.


Es tritt sowohl bei Einzeltrauma als auch bei Komplextrauma auf, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, sich an alle Einzelheiten des Traumas zu erinnern.






 
 
 

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